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Digitalisierung des Warenverkehrs zwischen Österreich und der Schweiz: Passar und Smart Border Austria 2026

Lesezeit: ca.6 Minuten

Warenverkehr zwischen Österreich und der Schweiz 2026

Passar, Smart Border Austria und die neuen digitalen Grenzprozesse verständlich erklärt

Der Warenverkehr zwischen Österreich und der Schweiz befindet sich aktuell in einer der größten Digitalisierungsphasen der letzten Jahrzehnte.

Während die Schweiz mit dem Warenverkehrssystem Passar ihre bisherigen Zollsysteme schrittweise ablöst, digitalisiert Österreich mit Smart Border Austria die Grenzprozesse zwischen Österreich, der Schweiz und Liechtenstein.

Für Unternehmen bedeutet dies eine grundlegende Veränderung: Die Zollanmeldung allein reicht nicht mehr aus. Zunehmend müssen auch Transport- und Grenzprozesse elektronisch vorangemeldet, überwacht und bestätigt werden.

Besonders herausfordernd ist die aktuelle Übergangsphase:

    • Passar Export und Passar Transit sind in der Schweiz bereits produktiv.
    • Passar Import wird schrittweise eingeführt.
    • e-dec Import wird weiterhin parallel betrieben.
    • Smart Border Austria ist für verschiedene Grenzprozesse bereits produktiv.
    • Österreich befindet sich weiterhin im Parallelbetrieb zwischen e-zoll Import und ACCS AIS.

Dadurch müssen viele Unternehmen derzeit gleichzeitig mit mehreren Zoll- und Grenzsystemen arbeiten.

 

Was ist Passar?

Passar ist das neue Warenverkehrssystem des Schweizer Bundesamtes für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG). Ziel ist die schrittweise Ablösung der bisherigen Systeme e-dec und NCTS durch eine moderne digitale Plattform für Import-, Export- und Transitverfahren.

Bereits produktiv sind:

    • Passar Transit
    • Passar Export

Aktuell erfolgt die Einführung von Passar Import. Während der Übergangsphase können Schweizer Einfuhren weiterhin über e-dec Import abgewickelt werden.

 


 

Was ist Smart Border Austria?

Smart Border Austria ist eine gemeinsame Initiative der österreichischen und schweizerischen Zollverwaltungen zur Digitalisierung des grenzüberschreitenden Warenverkehrs.

Das System ersetzt schrittweise papierbasierte Grenzprozesse und ermöglicht eine elektronische Voranmeldung und Überwachung des Grenzübertritts.

Aktuell stehen unter anderem folgende Verfahren zur Verfügung:

    • Warenort Korridor Eingang
    • Warenort Korridor Ausgang
    • Transit Eingang
    • Rollender Korridor Ausgang

 


 

Welche Systeme werden heute tatsächlich benötigt?

Je nach Geschäftsfall können heute mehrere Systeme gleichzeitig relevant sein.

Österreich

Schweiz

ACCS AES (Export)

Passar Export

ACCS NCTS

Passar Transit

Smart Border Austria

Passar Transportanmeldung

e-zoll Import

e-dec Import

künftig ACCS AIS (Import)

künftig Passar Import

Gerade diese Parallelität führt aktuell zu erheblicher Komplexität in vielen Unternehmen.

 


 

End-to-End-Prozess 1: Export von Österreich in die Schweiz

Der Exportprozess endet heute nicht mehr mit der Erstellung einer Ausfuhranmeldung.

Typischer Ablauf

    • Erstellung der Ausfuhranmeldung in ACCS AES
    • Überlassung der Ware zur Ausfuhr
    • Transport Richtung Schweiz
    • Smart Border Austria Warenort Korridor Ausgang oder Rollender Korridor Ausgang
    • Grenzübertritt
    • Schweizer Einfuhrabfertigung
    • Zustellung beim Empfänger

 

Die größte Herausforderung: Der Ausgang der Ware aus der EU

Viele Unternehmen gehen davon aus, dass die Ausfuhranmeldung bereits den Abschluss des Exportvorgangs darstellt.

Tatsächlich besteht das europäische Ausfuhrverfahren aus zwei Schritten:

Schritt 1

Annahme und Freigabe der Ausfuhranmeldung durch die Ausfuhrzollstelle.

Schritt 2

Freigabe durch die Ausgangszollstelle und Nachweis des tatsächlichen Austritts der Ware aus dem Zollgebiet der Europäischen Union.

Dieser Nachweis erfolgt über den Ausgangsprozess im AES-System.

Dabei spielen insbesondere folgende Nachrichten eine Rolle:

    • IE507 – Ankunft an der Ausgangszollstelle
    • IE525 – Überlassung zum Ausgang
    • IE590 – Mitteilung tatsächlicher Ausgang
    • IE518 – Ausgangsergebnis
    • IE599 – Ausfuhrmitteilung

Gerade die Nachricht IE590 ist entscheidend, da sie den tatsächlichen Austritt der Ware bestätigt.

 


 

Wer ist für die Ausgangsmeldungen verantwortlich?

Mit der Einführung von AES wurde die Rolle des sogenannten „Wirtschaftsbeteiligten beim Ausgang“ deutlich wichtiger.

Dieser ist dafür verantwortlich, die Ware bei der Ausgangszollstelle zu gestellen und die erforderlichen Ausgangsmeldungen zu übermitteln.

Je nach Organisation kann dies sein:

    • Exporteur
    • Spediteur
    • Zollvertreter
    • Logistikdienstleister

Unternehmen sollten diese Verantwortlichkeiten frühzeitig eindeutig definieren.

 


 

End-to-End-Prozess 2: Import aus der Schweiz nach Österreich

Typischer Ablauf

    • Schweizer Ausfuhranmeldung in Passar Export
    • Schweizer Transportprozess
    • Smart Border Austria Warenort Korridor Eingang
    • Grenzübertritt
    • Ankunftsmeldung Warenort Korridor Eingang
    • Österreichische Einfuhranmeldung mit Gestellung am Warenort
    • Überlassung der Ware

Welche Besonderheit gilt aktuell?

Rechtlich ist ACCS AIS das zukünftige österreichische Einfuhrsystem.

In der Praxis erfolgt jedoch ein Großteil der Importabfertigungen weiterhin über e-zoll Import.

Ein verbindliches Enddatum für den Parallelbetrieb wurde bisher nicht veröffentlicht.

 


 

End-to-End-Prozess 3: Import in die Schweiz

Typischer Ablauf

    • ACCS AES Ausfuhranmeldung
    • Smart Border Austria Ausgangsprozess
    • Grenzübertritt
    • Passar Transportprozess
    • Schweizer Einfuhrabfertigung
      • heute häufig noch e-dec Import
      • künftig Passar Import
    • Zustellung beim Empfänger

Herausforderung für Unternehmen

Während der Übergangsphase müssen viele Unternehmen sowohl e-dec Import als auch Passar Import unterstützen.

Dies betrifft insbesondere:

    • Stammdaten
    • Zollsoftware
    • Schnittstellen
    • Speditionsprozesse

 


 

End-to-End-Prozess 4: Transit Schweiz → Österreich → Deutschland

Typischer Ablauf

    • Versandverfahren in Passar Transit
    • Transport Richtung Österreich
    • Smart Border Austria Transit Eingang
    • Durchfahrt Österreich
    • Weiterfahrt nach Deutschland
    • Gestellung bei der Bestimmungszollstelle
    • Beendigung des Versandverfahrens

 


 

Fazit

Der Warenverkehr zwischen Österreich und der Schweiz besteht heute nicht mehr nur aus einer Export- oder Importzollanmeldung.

Unternehmen müssen einen durchgängigen Prozess betrachten:

Zollanmeldung → Transportprozess → Smart Border Austria → Grenzübertritt → Ausgangsbestätigung → Einfuhrabfertigung

Besonders beim Export in die Schweiz zeigt sich, dass die eigentliche Herausforderung häufig nicht in der Erstellung der Ausfuhranmeldung liegt, sondern im ordnungsgemäßen Abschluss des Ausgangsverfahrens.

Wer die Zusammenhänge zwischen Passar, Smart Border Austria, AES und den jeweiligen Transportprozessen versteht, kann Risiken reduzieren und seine Abläufe deutlich effizienter gestalten.


Quellen und weiterführende Informationen

Österreich – Smart Border Austria & ACCS AES

Bundesministerium für Finanzen (BMF)

Schweiz – Passar & e-dec

Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG)

Praxisinformationen zur Einführung von Passar

FineSolutions AG

Besonders empfehlenswerte Quellen für Leser

Wenn du die Liste im Blog etwas kürzen möchtest, würde ich nur diese fünf Quellen direkt im Artikel nennen:

  1. Smart Border Austria
    https://www.bmf.gv.at/themen/zoll/smart-border-austria.html
  2. AES Leitfaden für Unternehmen
    https://www.bmf.gv.at/dam/jcr:7165bd69-2b19-479a-97eb-193995fcf045/AES%20Leitfaden%20f%C3%BCr%20Unternehmen_SfA_v1.02_f%C3%BCr%20Zoll.pdf
  3. Passar Warenverkehrssystem
    https://www.bazg.admin.ch/de/home/services/services-firmen/einfuhr-ausfuhr-durchfuhr/passar.html
  4. Passar des Schweizer Zolls (FineSolutions AG)
    https://finesolutions.ch/zollthemen/import-export/passar/
  5. Passar 2.0 Einfuhr (FineSolutions AG)
    https://finesolutions.ch/news/import/erste-informationen-zur-umsetzung-von-passar-2-0-einfuhr/


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